01 – Katholischer Widerstand

Auszüge aus Predigten und Hirtenbriefen des Bischofs von Galen

(1) Hirtenbrief vom 28. Oktober 1933, dem Tag der Bischofsweihe von Galens

“Glaubt nicht, dass eure Bischöfe leichtfertig Mahnungen oder Warnungen aussprechen, ohne Erkenntnis der Verhältnisse und der Schwierigkeiten, sie zu befolgen. Glaubt nicht, dass eure Bischöfesorglos Gefahren übersehen, wenn sie noch schweigen, während ihr nach Wegführung verlangt! Seid versichert: Zentnerschwer lastet jeden Tag das Bewusstsein der Verantwortung für eure Seelen auf ihnen, und sie wissen, dass sie ihre eigenen Seelen nicht retten können, wenn sie zur Unzeit schweigenoder sprechen. Gern werde ich von anderen, auch von Laien, auch von wohlmeinenden Andersgläubigen Informationen über die Zeiterscheinungen, Wünsche und auch guten Rat annehmen. Aber ich weiß, dass die Pflicht zur ‘Entscheidung’ über erforderliche Weisungen und Warnungen für meine Diözesanen auf mir allein und auf meinem Gewissen lastet, und von niemand mir abgenommen werden kann. ‘Nicht Menschenlob, nicht Menschenfurcht’ soll jemals mich hindern, diese Pflicht zu erfüllen.”

kirchensite.de: “Galens Wahlspruch im Licht der Bibel: Redefreiheit für den Glauben”

Eine ausführliche Dokumentation von einigen der Predigten finden sich ebenfalls auf kirchensite.de.

(2) Osterhirtenbrief vom 26. März 1934 gegen die neuheidnischen Ideen des Nazi-Ideologen Alfred Rosenberg

“Die Neuheiden leugnen die Gemeinschaft der für alle Völker bestimmten Kirche Christi und streben eine Nationalkirche an, die nicht auf der Grundlage des gemeinsamen Glaubens an die Offenbarung ruht, sondern auf den Lehren von Blut und Rasse. … Es handelt sich also um eine grundsätzliche und radikale Ablehnung aller Geheimnisse des Christentums, und um das Bemühen, auf dem Boden von Blut und Rasse eine neue Religion mit nationalen Sinnbildern und Vorbildern zu schaffen.”

(3) Predigt am 9. Februar 1936 in Xanten

“Wie viele Katholiken, Priester und Laien sind in Zeitungen und Versammlungen angegriffen und beschimpft, aus Beruf und Stellung vertrieben und ohne Gerichtsurteil gefangen gesetzt und misshandelt worden. Der Leiter der bischöflichen Informationsstelle in Berlin, Domkapitular Dr. Banasch, schmachtet seit Monaten schon im Kerker, und man hat seinen Auftraggebern, den Bischöfen, nicht einmal mitgeteilt, wessen man ihn beschuldigt.”

(4) Predigt 13. Juli 1941, Lamberti Münster

“Keiner von uns ist sich sicher, und mag er sich bewusst sein, der treueste, gewissenhafteste Staatsbürger zu sein, mag er sich völliger Schuldlosigkeit bewusst sein, dass er nicht eines Tages ausseiner Wohnung geholt, seiner Freiheit beraubt, in den Kellern und Konzentrationslagern der Geheimen Staatspolizei eingesperrt wird.”

kirchensite.de: “Worte Galens gegen die NS-Diktatur: Zeit für wackere Kerls und ganze Kämpfer”

(5) Predigt 3. August 1941, St. Lamberti Münster

“Wenn einmal zugegeben wird, dass Menschen das Recht haben, ‘unproduktive’ Mitmenschen zu töten – und wenn es jetzt auch nur arme, wehrlose Geisteskranke trifft –, dann ist grundsätzlich der Mord an allen unproduktiven Menschen, also an den unheilbar Kranken, den arbeitsunfähigen Krüppeln, den Invaliden der Arbeit und des Krieges, dann ist der Mord an uns allen, wenn wir alt und altersschwach und damit unproduktiv werden, freigegeben.”

Zur Bewertung des Bischofs Clemens August Graf von Galen

Ekkehard Klausa, Widerstand: Ein Löwe für den Himmel, in: DIE ZEIT vom 29.09.2005, Nr.40

Götz Aly, Die Belasteten – ‚Euthanasie‘ 1939-1945, Frankfurt a. M. 2013.
Eine positive Bewertung des Widerstandes von Galens in der kürzlich erschienen Studie des Historikers Götz Aly, hier besonders das Kapitel: Die jähe Unterbrechung der Aktion T4 / Bischof Galen und Gottes Strafgericht, S. 174-183

Film: LWL-Medienzentrum für Westfalen