09 – Aufarbeitung NS-Zeit II

“Man muss Barbie freilassen!”

Interview mit dem Barbie-Verteidiger Jaques Vergès aus Der Zeit:

“Man muss Barbie freilassen” (PDF, 81 kb)

Quelle: Die Zeit Nr. 30 – 22. Juli 1983.

Erklärungen zu den Personen:

  • Jaques Vergès – französischer Rechtsanwalt, der als Strafverteidiger von Rebellenführern wie von NS-Kriegsverbrechern bekannt wurde.
  • Jean Moulins – Führender Leiter der französischen Resistance während des Zweiten Weltkriegs.
  • Drancy – Sammel- und Durchgangslager 20 km nordöstlich von Paris, von wo ungefähr fünfundsechzigtausend französische Juden in den 1940er Jahren mit der Eisenbahn in die Vernichtungslager deportiert wurden.
  • Maurice Papon – Hoher Beamter der Vichy-Regierung, der während des Zweiten Weltkriegs mit den Deutschen kollaborierte.

Fluchtwege nach Latein-Amerika

Nach Kriegsende retteten sich viele berüchtigte NS-Täter mit Hilfe des Vatikans, des Roten Kreuzes oder der westlichen Geheimdienste nach Latein–Amerika. Die NS–Täter kamen auf 3 Wegen dorthin:

  • Vielen gelang die Flucht über Skandinavien – unterstützt wurden sie von den argentinischen Botschaften in Dänemark und Schweden, die Pässe bereit stellten und die Überfahrten nach Argentinien organisierten.
  • Andere wählten die Klosterroute – als Franziskanermönche getarnt schlugen sie sich nach Spanien durch, von dort reisten sie mit dem Schiff nach Buenos Aires.
  • Das Rote Kreuz und der Vatikan verteilten Pässe, mit denen die Flüchtlinge über den Hafen Genua ausreisten. Dieser Weg wurde “Rattenlinie” genannt. Verantwortlich im Vatikan war der kroatische Priester Krunoslav Draganovic. Er besorgte alles – von der Unterkunft über Rote-Kreuz Pässe, Visa für lateinamerikanische Staaten und Schiffspassagen.

Der amerikanische Geheimdienst benutzte zu Beginn des Kalten Krieges diese Möglichkeit, um NS-Täter zu rekrutieren. Der bekannteste Fall ist Klaus Barbie, der als “antikommunistischer Experte” vom amerikanischen Geheimdienst angeheuert wurde. Dabei bekam er ein Visum nach Bolivien. Als Sicherheitsberater war er in Bolivien im Einsatz. Später wurde er vom BND als Spitzel eingesetzt und bezahlt.

Siehe auch egoisten.de: Interview mit Peter Hammerschmidt zum Thema Klaus Barbie.

Aufklärung und Verfolgung von NS-Verbrechern

Erst durch die Recherchen von Beate und Serge Klarsfeld wurde Klaus Barbie 1983 an Frankreich ausgeliefert und vor Gericht gestellt. Beate Klarsfeld wurde bekannt durch die Aufklärung und Verfolgung von NS-Verbrechern. Zusammen mit ihrem Mann Serge Klarsfeld hat sie mehrere unbehelligt lebende nationalsozialistische Kriegsverbrecher entlarvt: Kurt Lischka, Alois Brunner, Klaus Barbie und andere.